Freitag, Januar 5

Sozialer Druck

Gestern hatte ich zum ersten Mal meine Sporttasche mit in der Firma. Es ist zwar sehr unpraktisch, sich im Berufsverkehr mit einer Sporttasche (meine ist sehr groß!) in die U-Bahn zu quetschen, erhöht aber die Chancen, abends tatsächlich zum Sport zu gehen, gewaltig. Man versucht schließlich doch zu verhindern, die Tasche unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu tragen. Außerdem ist der Berufsverkehr, wenn ich jetzt mal kurz ehrlich bin, eigentlich schon deutlich am Abflachen, wenn ich zur Arbeit fahre.


Was ich nicht bedacht hatte, war die Massivität des sozialen Drucks, den so eine Sporttasche erzeugt. Auf dem Weg vom Empfang zu meinem Schreibtisch musste ich etwa fünf Mal erläutern, dass ich
a) noch zum Sport will und
b) ja, hat schon was mit den Neujahrsvorsätzen zu tun und
c) dass ich Aerobic mache und
d) in der Kaifu und
e) ich versuche regelmäßig, aber klappt nicht immer so gut.

Als ich meine Tasche neben meinem Mobi-Schrank abstelle, fragt
Chefin1: Was hast du mit der Tasche vor?
Phoebe: Ich geh heut noch in die Kaifu.
Chefin 1: Was? Du fliegst heut noch nach Korfu?
Phoebe: Ja, genau, ein bisschen Dance Aerobic.

Prompt haben mich heute morgen schon drei Leute gefragt, wie's denn so war gestern auf Korfu.

Donnerstag, Januar 4

Abschied

Kollegin C. hat gekündigt und verlässt uns zum Monatsende. Ich bin ein bisschen traurig deshalb, denn es war sehr angenehm mit ihr zu arbeiten. Aber geahnt hab ich es schon. Es lässt sich zwar nicht an einem bestimmten Ereignis oder einer bestimmten Aussage festmachen, aber das Gefühl, das sie nicht mehr ganz bei der Firma ist, hatte ich schon lange. Jetzt ist es also so weit.
Warum genau sie schon nach einem Jahr in der Firma das Handtuch schmeißt, weiß ich nicht. (Auf jeden Fall behauptet sie, dass es nicht an Kollegin Phoebe liegt.) Sie möchte noch mehr dazu lernen, noch mehr sehen, noch andere Erfahrungen machen. Deshalb raus hier. Ich drücke ihr die Daumen, von ganzem Herzen.
Es wird spannend, was ihr Weggang für unser Team bedeuten wird. Ob wir einen Ersatz für Kollegin C. bekommen, steht noch in den Sternen. Momentan machen wir nicht so viel Umsatz und werden von den anderen Teams subventioniert, es könnte also gut sein, dass wir betriebsbedingt schrumpfen. Ob das gut oder schlecht wäre, weiß ich nicht, und will ich mir auch nicht überlegen, ich will einfach nicht, dass sie geht. Grummel.

Katharina Hacker: Die Habenichtse


Das Buch muss ja eigentlich ein gutes Buch sein. Immerhin hat es den Buchpreis gewonnen. Dachte ich und so kaufte ich es, sogar als Hardcover, was ich sonst wirklich selten tue.

Isabelle und Jakob werden am 11.09.2001 in Berlin ein Paar, heiraten bald und ziehen kurze Zeit später nach London, wo Jakob für eine Anwaltskanzlei, Isabelle weiter für ihre Berliner Grafikagentur arbeitet. Die beiden leben in einem angenehmen Wohlstand vor sich hin, sind aber nicht wirklich glücklich. Jakob ist fasziniert von seinem schwulen Chef und seinem Kollegen Alistair, Isabelle dagegen von ihrem Nachbarn Jim, einem gesellschaftlichen Außenseiter, der sich mit Diebstählen und Drogengeschäften über Wasser hält. Außerdem wohnt in der Straße auch noch Sara, ein kleines Mädchen, die von ihren Eltern wie eine Gefangene gehalten und massiv vernachlässigt wird, was Isabelle beobachtet.

Das Buch bemüht sich um eine große Aktualität. Es versucht, die Stimmung nach 9/11 in Berlin und in London zu beschreiben und die Veränderungen der Wahrnehmung und des Sicherheitsempfindens. Dies finde ich überwiegend aufgesetzt und gekünstelt. Ich gebe zu, dass ich manchmal morgens erleichtert aufatme, wenn ich die U-Bahn verlasse und es ist nichts passiert. Und wenn ein Flugzeug etwas tiefer über der Stadt fliegt, krieg ich ein mulmiges Gefühl. Leider kann ich diese meine Ängste und Gefühle in dem Buch überhaupt nicht finden. Die Beschreibungen wirken eher so als würde jemand aus der Zeitung vorlesen, statt aus seinem eigenen Seelenleben.

Isabelle und Jakob sollen charakteristisch sein für die heute 30-40-jährigen, also auch für mich. Auch dies kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich kenne viele 30-40-jährige, auch einige, die ein bisschen oberflächlich sind oder orientierungslos. Aber niemanden, der auch nur annährend so ist wie Isabelle oder Jakob. Kann das vielleicht einfach daran liegen, dass sich die Autorin täuscht in ihrer Einschätzung?

Insgesamt muss ich leider feststellen, dass mir "Die Habenichtse" nicht gefallen hat. Die Autorin demonstriert überaus deutlich, dass sie sich aller möglicher aktueller Brennpunkte bewusst ist (Drogen, Gewalt, Kindesmissbrauch, Prekariat, Terrorgefahr), lässt sich aber auf keines der Themen wirklich ein. Genausowenig wie auf ihre Figuren. Ob das wirklich Absicht war, mag ich bezweifeln.

Mittwoch, Januar 3

New Year 2007

Eigentlich sollten wir das neue Jahr in Bielefeld begrüßen. Auf einer Party unter dem Motto "Die Zwei". Obwohl ich diese Serie gar nicht kenne und außerdem keine Mottoparties mag. Nachdem ich zuerst zugesagt hatte, dann abgesagt wegen Verkleidungszwang, dann wieder zugesagt wegen Minikleid-gilt-auch-als-Verkleidung, überkamen unsere Bielefelder Freundin St. finale Zweifel, ob die Party überhaupt lustig werden würde. Daraufhin änderten wir spontan unsere Pläne, riefen auf gut Glück eine Pension auf Sylt an, hatten Glück, bekamen ein bezahlbares Zimmer und los ging's.

Sylt ist ja grundsätzlich eine etwas seltsame Insel ("ohne Bunte wäre es nur irgendeine Nordseeinsel"). An Silvester aber besonders. Es ist ja so, dass es im Winter auf Sylt tendenziell eher kalt ist, deshalb ist ja auch die Hauptsaison im Sommer. Nichtsdestotrotz besteht ein unglaublicher Hype bezüglich Silvester-Parties auf Sylt. Ein Silvester auf Sylt gilt als der ultimative Start ins Jahr. Nun gut.

Abgesehen davon, dass es grundsätzlich kalt ist im Winter, war es in diesem Jahr auch außergewöhnlich stürmisch. Trotzdem war die Insel voll. Die Leute blieben auch nicht in ihren Hotelzimmern, sondern stromerten am Strand entlang, liesen sich durchpusten und von der Gischt vollspritzen. Da Sonnenbaden und Strandkorb-Lümmeln definitv ausfielen, konzentrierte sich die Meute ansonsten auf die berüchtigten Gastronomiestätten. Entsprechend waren diese fast ausnahmslos voll, laut und ungemütlich. Außerdem war alles sehr geschmackvoll mit Luftschlangen dekoriert. Sogar die Busse, in denen die Stimmung auch am Dampfen war.

Die Silvester-Menüs auf Sylt beginnen um 19 Uhr, was für mich aus Styling- und Nahrungsaufnahme-Gründen definitiv zu früh ist. Pünktlich um 18.45 Uhr setzte der Regen ein, was unmittelbar dazu führte, dass beim besten Willen kein Taxi zu bekommen war. Ich also in meinem Kleidchen äußerst unelegant eine Plastiktüte über'm Kopf haltend zu Fuß zum Strandbistro. Außer uns hatte sich im Strandbistro eine etwa 40-köpfige fröhliche Partygesellschaft mit zehn pubertierenden Kindern eingebucht. Ich muss zugeben, dass diese Runde letztendlich weniger störend war, als ich anfangs vermutet hatte. Sie orderten gleich zu Anfang des Abends mehrere Flaschen Bacardi und Cola light (!), vielleicht hat das letztendlich zur relativen Ruhe beigetragen. Die Kinder waren etwas schwieriger, sie tranken normale Cola ohne Bacardi und waren ziemlich hyperaktiv, was sich besonders in ständigem Hinaus- und Hereinlaufen äußerte. Dies war anstrengend, denn draußen war's kalt, regnerisch und stürmisch und unser Tisch lag in direkter Luftzuglinie zur Tür. Entsprechend war mir den ganzen Abend kalt.

Das Menü begann letztendlich um Viertel nach acht, war insgesamt sehr gut und nachdem uns der Wirt auch noch eine Flasche Chianti und eine Flasche Prosecco ausgegeben hatte, war es auch gar nicht mal mehr so teuer. Um 12 konnten wir auch noch ein Feuerwerk bestaunen, das uns von professionellen Pyrotechnikern trotz äußerst widriger Wetterverhältnisse dargeboten wurde. Leider blieb das Wetter im weiteren Verlauf des Abends so schlecht, das an ein Wechseln der Location nicht zu denken war. Wir blieben deshalb einfach im Strandbistro, machten noch die Bekanntschaft eines sympathischen Autohändler-Pärchens aus der schleswig-holsteinischen Provinz, liesen uns die Schleswig-Holstein-Hymne vorsingen und wankten dann betrunken (jetzt ohne Plastiktüte, weil war egal) zurück in die Pension.

Den Neujahrstag verbrachten wir ebenfalls auf der Insel. Wir zwangen uns, noch ein bisschen durch Keitum zu laufen und dann auch noch eine Stunde am Strand entlang, obwohl das Wetter noch schlechter war als am Tag zuvor. Völlig durchgefroren, durchnässt und übermüdet fuhren wir schließlich gegen halb sechs nach Hamburg zurück.

Da ich befürchte, aufgrund dieser anstrengenden Tage demnächst krank zu werden, trinke ich seit Montagabend regelmäßig Meditonsin. Bisher halte ich mich aufrecht. Zweifellos der ultimative Start in 2007.

Dienstag, Januar 2

what's going on?

Neues aus dem Intranet

11:52 Bitte kümmert euch um eure Spam-Ordner!

14:44 Aus Sicherheitsgründen werden alle Mitarbeiter aufgefordert, ihr Passwort zu ändern.

15:30 Datenbank ist down.

New Year 2007

Phoebe und Keks an Silvester im Sturm auf Sylt
...coming soon...

Schöner Wohnen

Das alte Jahr wurde mit einer lustigen Bad-Streich-Aktion beendet. Diese Aktion wäre eigentlich schon vor zwei bis drei Jahren dringend fällig gewesen, wurde von uns aber erfolgreich verdrängt. Wenn wir Besuch hatten, war es immer ein bisschen peinlich, noch dazu wo wir auch noch einen auffälligen Sprung in der (Wasch-)Schüssel hatten. Meistens bin ich das Ganze offensiv angegangen und hab den Besuch gleich umfassend in Kenntnis gesetzt: "Ja, das Bad ist jetzt nicht in seinem besten Zustand. Aber wir müssen einfach beide zu viel arbeiten, und dann will man nicht auch noch am Wochenende... du weißt ja, wie das ist."

Um diese Altlast dann nicht aber auch noch mit ins neue Jahr zu nehmen, sind wir das Problem am Samstag schließlich angegangen. Keks tüftelte einen etwas knappen, aber machbaren Zeitplan aus. Da wir es dann schließlich bereits um 9.30 Uhr aus dem Bett schafften, waren wir von Anfang an 90 Minuten im Verzug.
Erst nahmen wir es ganz genau, klebten alles sorgfältig ab, weichten alle Wände mit einem supergiftigen Tapetenlöser ein und machten uns an die Spachtelarbeiten. Am Anfang fand ich es ansatzweise witzig und erzählte Keks spannende Geschichten aus dem Leben eines Archäologenpärchens, das in jahrhundertealten Gemäuern nach dem uralten Schatz einer Hamburger Kaufmannsfamilie suchte.
Als wir nach einer Stunde aber weder einen Schatz gefunden noch sichtbare Fortschritte bei den Spachteleien gemacht hatten, wir unserem Zeitplan mittlerweile drei Stunden hinterherhinkten und mir der alte Aberglaube meiner Oma eingefallen war, nachdem man über den Jahreswechsel nichts Angefangenes liegen lassen darf, warfen wir unseren Perfektionismus über Bord. So ähnlich muss es in diesem Bad übrigens seit Jahrzehnten geschehen sein, denn wir hatten teilweise bis zu vier Schichten Farbe abgetragen. Keks rührte eine weitere giftige Klebemasse an und kleisterte damit die von uns freigelegten Löcher wieder zu.

Unser Plan für den späten Nachmittag sah eigentlich vor, dass wir beide an verschiedenen Stellen des Bades anfingen, die Wände zu streichen und dass wir uns letztendlich gemeinsam an die Decke machten. Leider mussten wir diesen Plan kurzfristig ändern, da die Farbe, die beim vormittäglichen Spachteln noch sehr hartnäckig gewesen war, jetzt beim sanften Streicheln mit einem Malerpinsel plötzlich in handflächengroßen Schuppen von der Wand kam, allerdings auch nur wieder sporadisch, so dass eine erneute Spachtel-Aktion uns nicht wirklich weitergebracht hätte. Wir reorganisierten daher schnell die Arbeitsteilung. Ich fing an einer Ecke an die Wände zu streichen und sobald sich irgendwo die Farbe löste, kam Keks mit dem Spachtel und spachtelte weg, was ging, während ich mir eine andere Ecke zum Pinseln suchte. Ging mit dem Spachtel nichts mehr, pinselte ich wieder fröhlich drüber bis wieder Teile der Wand runterkamen und so weiter und so fort. Dieses Ringelreihen spielten wir über mehrere Stunden. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass es die halbe Nacht so weiter gehen würde, aber irgendwann hatten wir einen stabilen Zustand erreicht, in dem weniger abbröckelte als dran blieb und dann ging's ratz fatz. Und jetzt ist das Bad ganz schön.
Es ist nur so, dass an verschiedenen Stellen des Bades, die Wandfarbe unterschiedlich dick ist (so zwischen einer und sieben Schichten) und wir nicht genau wissen, wie lange das halten wird und an wie vielen Stellen wir nochmal nachbessern müssen. Aber zumindest sind die Wände jetzt weiß und haben keine Schimmel- oder sonstigen Flecken. Den Vorhang mag ich allerdings nicht mehr ins Fenster hängen, denn der hat die dunkelweiß-gelbe Farbe, die unsere Wände bis vor kurzem auch noch hatten und passt einfach nicht mehr dazu.