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Montag, Januar 7

Hochzeiten haben ein Nachspiel

Die standesamtliche Hochzeit ist jetzt schon über vier Monate her und deshalb wurde es dringend Zeit, endlich die Dankeskarten zu verschicken. Dankeskarten sind Karten, mit denen man sich bedankt, dass die Gäste, nachdem sie sich für die Einladung bedankt haben, schließlich auch zur Hochzeit gekommen sind und ein Präsent überreicht haben, wofür man sich besonders herzlich bedankt. Die Gäste rufen dann bei uns an, um sich für die Dankeskarte zu bedanken. Wir bedanken uns für den Anruf.

Aber das ist noch nicht alles: Heute rief meine Mutter an und verwickelte mich erst in ein unverfängliches Gespräch darüber, wie schön die Dankeskarten seien. Aber bald schon merkte ich, woher der Wind weht:
Du, host du eigentlich da Mama vom F. a a Dankeskartn gschickt? Weil, de dad sie fei scho gfrein.
Da B. und dem R., denen hab i ja zur Hochzeit bloß a Kartn gschriem, aber i hob trotzdem a Dankeskartn kriagt. Do hob i mi fei gfreit.

Offensichtlich hatte meine Mutter eine Liste vor sich liegen, die sie jetzt abarbeitete und anhand derer sie verifizierte, ob ich auch wirklich zuverlässig alle erforderlichen Dankeskarten verschickt hatte.

Der Keks und ich werden jetzt nächstes Wochenende noch eine Dankeskartenaktion einlegen.

Montag, September 3

Ich bin Frau Keks

Wir haben beide ja gesagt und es war wunderschön.

Die Standesbeamtin hat unseren Trauspruch völlig versemmelt, aber das war egal.
Das Abschlusslied, das wir dreimal geändert haben und in dessen Auswahl wir geschätzte 20 Stunden Entscheidungsaufwand investiert haben, ist völlig im allgemeinen Gratulations-Kuddelmuddel untergegangen. War aber egal.
Unsere Sitzordnung, die uns trotz Percantas Mithilfe locker zwei Abende beschäftigt hat, wurde leider vom Lokal völlig über den Haufen geworfen. Unsere Gäste wurden einmal gut durchgemischt und zufällig am Tisch verteilt. Und, was soll ich sagen, es war egal.
Das Wetter war so wie der ganze Sommer in Hamburg: kalt und regnerisch. Das war uns bis vor zwei Wochen noch als der größte anzunehmende Katastrophenfall vorgekommen. Aber letztendlich war es egal.
Ich habe doch das Kleid aus'm Otto-Katalog angezogen, von dem der Keks meinte, es wäre mir ein bisschen zu eng, aber ich glaub, das hat keiner gemerkt, und wenn doch, ist es eigentlich egal.

Ich bin überglücklich und es fühlt sich sehr gut an. Und ich würde jederzeit alles wieder genauso machen!

Mittwoch, August 29

Optimierungsproblem

Frage: Wie viele mögliche Lösungen hat das folgende Optimierungsproblem?

13 Personen sind an einem Tisch mit 13 Plätzen zu platzieren.

Folgende Bedingungen sind zu erfüllen:
Zwei Personen bilden das Brautpaar und müssen zentral und nebeneinander sitzen.
Vier Personen bilden die Brautelternpaare und müssen jeweils paarweise sitzen und so, dass sie sich (gegenseitig) gut unterhalten können.
Zwei Personen sind Bräutigambruder mit Freundin. Sie müssen nebeneinander (oder zur Not gegenüber) sitzen. Die Freundin kann praktisch nur neben der Bräutigammutter sitzen.
Zwei Personen sind Braut-Trauzeugin und Freundin. Diese müssen nebeneinander (oder zur Not gegenüber) sitzen und in der Nähe der Braut.
Eine Person ist der Bräutigam-Trauzeuge. Er sollte in der Nähe des Bräutigams sitzen. Er sollte weiterhin mindestens eine nette, blonde, nicht-lesbische Sitznachbarin haben.
Zwei Personen sind die Brautschwestern. Brautschwester1 bietet sich an zur allgemeinen Bespaßung von Bräutigam-Trauzeuge und Bräutigam-Bruder. Brautschwester2 sollte neben Braut-Trauzeugin-Freundin (wegen identischen Studienfachs und vieler gemeinsamer Interessen) sitzen.
An den beiden Kopfenden der Tafel sollten Personen sitzen, die sich da wohlfühlen (nicht genauer definiert).

Selbst nach einer Flasche Rotwein haben wir bisher keine Lösung gefunden.

Montag, August 27

Wedding Planning IX

So, jetzt wird's langsam wirklich ernst. Noch 4 Tage.

Der Keks und ich, wir sind so chaotisch, wir schaffen das ganze Organisationszeugs immer nur auf den letzten Drücker. Es ist schrecklich. Am Freitag gibt's ja nur ne kleine Feier, ist ja "nur" Standesamt, aber ich bin trotzdem schon ganz aufgelöst. Wir wissen immer noch nicht, welches Lied wir spielen wollen, wenn wir beide ja gesagt haben. Am Anfang der Zeremonie spielen wir auf jeden Fall "Somebody" von Depeche Mode und ich muss jetzt schon immer heulen, wenn ich das Lied höre. Tischordnung haben wir auch keine, obwohl wir zum Essen nur 11 Gäste haben werden.

Außerdem: Riesenkatastrophe: Ich vertrag meine Kontaktlinsen nicht mehr. Ich krieg ganz rote Augen davon. Jetzt muss ich mit Brille heiraten, aber der Keks sagt, er sagt trotzdem ja.

Eigentlich bin ich nur selten hysterisch, aber diese ganze Hochzeitssache macht mich fertig.

Montag, August 20

Wedding Planning VIII

Was für ein mörderisches Wochenende!
Essentielle Fragen wurden gewälzt.

Wir brauchen einen Trauspruch. Aus der Bibel. Bloß welchen? Der Keks bevorzugt:
Wenn ein Mann einem unberührten Mädchen, das noch nicht verlobt ist, begegnet, sie packt und sich mit ihr hinlegt und sie ertappt werden, soll der Mann, der bei ihr gelegen hat, dem Vater des Mädchens fünfzig Silberschekel zahlen und sie soll seine Frau werden, weil er sie sich gefügig gemacht hat. Er darf sie niemals entlassen.

Ist das Brautkleid jetzt wirklich das richtige?

Soll ich die Haare ganz hochstecken oder halb?

Servietten mit tannengrünem Rand oder mit so gelben Blumen (teuer)? Soll die Serviette als Fächer oder wie gefaltet werden? Mein Vorschlag war Fernrohr (einfach zusammenrollen und durchgucken).

Soll der Brauttisch gegenüber der Bühne oder rechts von der Bühne stehen und welchen Einfluss hat das auf die Bewegungsfreiheit auf der Tanzfläche?

Tauben, Rosen oder Brautpaar auf der Torte? Ogottogott, alles ganz schlimm, ganz, ganz schlimm.
Muss die Torte am Nachmittag oder um Mitternacht angeschnitten werden?

Ist es den Gästen allen Ernstes zuzumuten, dass sie mal eine halbe oder sogar eine ganze Stunde nichts zu essen kriegen (z.B. zwischen Dessert und Mitternachtsbuffet)?

Wenn die Brautschwester eine Rede auf bayerisch halten will, braucht sie dann einen Dolmetscher?

Mittwoch, August 8

Wedding Planning VII

Cousine T. hat heute geschrieben, dass sie und die anderen drei (ich vermute, sie meint ihre Eltern und ihren Bruder) sehr gerne zur Hochzeit kommen. Das ist sehr schön und ich freue mich!
Allerdings bringt es mich dazu, darüber zu sinnieren, warum so viele Menschen, den wir eine liebevoll angefertigte Einladung geschickt haben, sich bisher noch gar nicht gemeldet haben. Die Einladungen sind jetzt seit vier oder fünf Wochen raus (ja, wir waren ein bisschen spät dran, aber so sind wir, immer auf den letzten Drücker). Manche haben sofort spontan zugesagt, manche ab. Schätzungsweise die Hälfte der Eingeladenen hat aber noch kein Lebenszeichen von sich gegeben. Was soll uns das sagen?

1. Ich komm sowieso, ist ja klar, muss ich ja wohl nicht bescheid sagen.
2. Ich muss das noch in meinem weiteren Verwandten- und Freundeskreis diskutieren, meinen Kontostand prüfen und meinen Arzt nach meinen Leberwerten fragen.
3. Ich dachte, die Einladung wäre nur so pro forma und nicht wirklich ernst gemeint.
2. Ich komm auf keinen Fall, ist ja klar, muss ich ja wohl nicht bescheid sagen.

Sehr interessant ist auch, dass manche Hamburger es für eine Zumutung halten, sich für eine Hochzeit außerhalb der Stadtgrenzen zu begeben. Und dann auch noch Niederbayern. Andere dagegen sehen das eher als eine Studienfahrt zum Zwecke der Sozialforschung. Das kann ja heiter werden.

Donnerstag, August 2

Wedding Planning VI

Im Zusammenhang mit der Hochzeit sind sehr viele wichtige Entscheidungen zu treffen. Jetzt haben wir auch noch Hausaufgaben von der Standesbeamtin bekommen.

1. Wir müssen unsere Kennenlerngeschichte aufschreiben.
2. Wir müssen getrennt voneinander jeweils die positiven Eigenschaften des anderen aufschreiben.
3. Wir brauchen zwei Lieder für den Anfang und das Ende der Zeremonie.

Unsere Kennenlerngeschichte ist etwas problematisch, denn wir haben uns genau hier kennengelernt.
Ich weiß noch nicht, wie wir das vertuschen bzw. romantisch und elterntauglich verklären. Man kann ja bei der Hochzeit auch nicht schwindeln und einfach behaupten, wir hätten uns beim Unicef-Wohltätigkeits-Chat kennengelernt.

Bei den Keks-Eigenschaften fällt mir natürlich als erstes ein: sexy, attraktiv, gutaussehend, Augen, Schultern, Po, Hände. Reicht das? Ich fürchte aber, es sind wieder mal die inneren Werte gemeint.

Bei den Liedern ist uns irgendwann der extrem lustige Einfall gekommen, wir könnten "Love and Marriage" von Frank Sinatra (bekannt aus dieser schrecklichen Serie, ihr wisst schon) nehmen. Von dieser Idee kommen wir irgendwie nicht mehr los und ich befürchte bereits, dass wir das wirklich machen werden. Dann gibt es vielleicht statt Tränen der Rührung doch einen Lachkrampf.

Heiraten ist nicht trivial.

Dienstag, Juli 24

Wedding Planning V

Wieder ein anstrengendes Hochzeitsplanungs-Wochenende hinter uns gebracht und es gibt Fortschritte.

1. Das Kleid: Ich war bei der Anprobe. Beim letzten Mal war mir das Kleid etwas zu groß, diesmal passte es mir sehr gut. Kein weiterer Kommentar.
Ich stand eine Stunde lang da, in meinen Schuhen und dem Kleid und wurde vermessen und abgesteckt, damit auch nirgends was raus- oder übersteht. Der Schweiß lief mir in kleinen, langsamen Bächlein an den Oberschenkelinnenseiten runter. Das Kleid drückte auch ein bisschen am Bauch, insgesamt fühlte ich mich eher nicht so.

2. Der Wirt: Es wird immer deutlicher, dass der Wirt recht unmotiviert ist, was die Hochzeit betrifft. Er findet, man solle sich nicht so viele Gedanken wegen des Menüs machen, die Hauptsach wär schließlich, dass alle sich den Bauch vollschlagen können. Auf Vegetarier würde er auch keine Rücksicht nehmen, weil "die Vegetarier kenn i scho, wenn's dann mei Schnitzl sehn, dann woin sie's doch." Auf meine Frage, ob wir zusätzlich zu seinem Standard-Rotwein aus Deutschland vielleicht auch noch einen französischen oder italienischen zur Auswahl haben könnten, reagierte er etwas ungehalten. Darüber hinaus war er eher der Ansicht, dass ihn das Ganze nicht wirklich was angeht.

3. Die Blumen: Ich will weiße Blumen.
Noch andere Farben?
Nein. Weiße Blumen, nur weiße.
Creme?
Nein. Weiß.
Meinem Vater war wichtig, dass kein Efeu auf die Tische kommt, das erinnert ihn an Beerdigungen und das Kriegerdenkmal. Kein Efeu also. Ansonsten alles in weiß und grün. Auch die Servietten.
Die Floristin ist toll. Wenigstens eine Sorge weniger.

Freitag, Juli 13

Alte Freunde

Die Hochzeitsvorbereitungen schreiten voran. Die ersten Einladungen haben unser Arbeitszimmer verlassen und sind bei den Empfängern gelandet. Die Reaktionen sind durchwegs positiv, puh!
Zusagen bisher aber noch keine.

Nachdem ich beschlossen hatte, nicht nur Leute einzuladen, die in meinem jetzigen Leben eine Rolle spielen, sondern auch Menschen, mit denen mich früher einmal viel verbunden hat, die ich aber irgendwann auf dem Weg verloren habe, kriegen diese Hochzeitsvorbereitungen etwas besonders Sentimentales.

Ein Anruf bei meiner Studienfreundin M. in S., von der mich seit fast drei Jahren kein Lebenszeichen mehr erreicht hat, mündete spontan in ein "Ich fass es nicht.", ein mehrstündiges Telefonat und ein fest vereinbartes Treffen in S. Keine gegenseitigen Vorwürfe, kein Beleidigt-Sein, einfach nur pure Freude darüber, dass wir beide noch leben und uns immer noch so gut verstehen, als hätten wir uns gestern das letzte mal gesprochen.

Ich hoffe auf noch mehr dieser Überraschungen.

Freitag, Juni 15

Brautkleid

Morgen geht's los zum Brautkleidkauf! Von verschiedenen Seiten habe ich schon gehört, ich wäre eh schon viel zu spät dran. Weil die richtig guten Brautkleider haben mindestens 6 Monate Lieferzeit. Aber das schränkt dann vielleicht wenigstens die Wahlmöglichkeiten ein.
Ich bin ja so gespannt!
Seit zwei Wochen gehe ich jetzt auch schon immer regelmäßig ins Fitness-Studie, damit ich mir eine Neckholder-taugliche Schulterpartie zulege. Man sieht schon die Fortschritte, echt!
Mein Budgetlimit liegt bei 1000 Euro. Punkt.
Oder aber wie Kollegin N. sagte: Wenn du den Porsche erst mal anhattest, dann willst du den Golf nicht mehr.
Ich bin ja so aufgeregt!
Hoffentlich kann ich mich auch schnell entscheiden, ich will nicht ewig rumeiern mit dem Thema. Das kann ich auch meinem Support-Team aus Schwesterherz1, Trauzeugin K. und Freundin C. nicht antun.
Ich freu mich schon so!

Montag, Mai 7

Wedding Planning IV

Der Keks hat heute den Standesamt-Termin vereinbart: 31.8.
Klingt gut, finde ich.

Schwesterherz2 wird nicht begeistert sein, sie verpasst das heimatliche Volksfest. ("Des is fei bled.")

Meine Eltern haben sich mittlerweile mit den Keks-Eltern an einem von uns perfekt organisierten Eltern-Begegnungs-Sonntag verbrüdert, begünstigt durch eine beachtliche Überlappung ihrer jeweiligen Interessen (Väter: Politik, Autos; Mütter: Familie, Kinder). Von dieser Seite sollte kein Ungemach mehr zu erwarten sein.

Kritisch könnte es werden, wenn die Keks-Eltern feststellen, dass meine Trauzeugin lesbisch ist und mit ihrer Lebensgefährtin an der Trauung teilnehmen wird. Meine Eltern sind in diesem Punkt erstaunlicherweise ein Ausbund an Toleranz ("A geh, des interessiert uns doch ned. Moanst du, mia lebn hintam Mond?"). Nun, gut, ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Vater vor etwa zehn Jahren die Theorie vertreten hat, Homosexualität wäre eine Krankheit.

Mittwoch, März 28

Wedding Planning IV

So, jetzt sind wir einen gewaltigen Schritt voran gekommen.

Die Location für unsere Hochzeit und der Termin stehen. Wir heiraten in einem alten Heustadl. Sehr romantisch, sehr viel Flair. Leider ist der Spaß nicht ganz billig, aber ich setze mal darauf, dass meine knauserige Verwandtschaft aus Freude darüber, dass ich endlich unter der Haube bin und mich hoffentlich dann zügig fortpflanzen werde, doch mal was springen lässt.

Ein weiterer Vorteil des Heustadls ist auch, dass der Wirt auf meine Frage, wann bei ihm denn Schluss sei, geantwortet hat: Ja, mei, um fünfe miass ma dann scho zuasperrn. Das ist doch mal ein Wort.

Angeblich wird auch der Biergarten noch in diesem Frühjahr renoviert. Meine Mutter reportet allerdings annähernd täglich an mich: Bis jetzt hams fei no ned ogfangt.

Soweit also alles im grünen Bereich. Schwesterherz2 ist fleißig auf der Suche nach einer passenden Band. Aufopferungsvoll klappert sie sämtliche Festivitäten in der weiteren Umgebung ab und -wie ich das verstehe- überprüft sie auch gewissenhaft, ob die jeweilige Band auch bei steigendem Alkoholpegel noch ertragbar ist.

Schwesterherz1 hat sich dankenswerterweise dazu bereit erklärt, für die Saal-Deko zu sorgen. Dies hat vermutlich unmittelbar zur Folge, dass die Klasse 2b einer Münchner Grundschule ab Ostern nur noch Herzen ausschneiden wird. Aber ich heirate schließlich nur einmal.

Nächste zu bewältigende Hürde wird das Layout der Einladungskarten. Allerdings kenne ich ein paar Leute, die beschäftigen sich beruflich mit sowas und da wird ja wohl was vernünftiges bei rumkommen.

Mittwoch, Januar 31

Wedding Planning III

Die Locations-Frage für die Hochzeit kann nicht oft genug gestellt werden. Da wir eine sehr weitschweifige und familienfeier-freudige Verwandtschaft haben, sollten wir eigentlich am besten eine Mehrzweckhalle mieten. Aber wenn wir schon die ganze Sippschaft einladen (müssen), sollte wenigstens das Ambiente stimmen.

Momentan stehen drei Optionen zur Diskussion:

1. Die rustikale Dorfwirtschaft

Vorteil: billig, mit Spielplatz für die Kleinen, open end

Nachteil: Servicekräfte duzen grundsätzlich alle Gäste (wuist no a Hoibe?), Qualität der Speisen und Getränke: geht so, beim Sektempfang und beim Kuchenbuffet muss Verwandtschaft mithelfen, Deko/Saal: jeder kriegt einen Stuhl und es regnet nicht rein

2. Das elitäre Kurhotel

Vorteil: Service und Essen auf erstklassigem Niveau, alles wird einem permanent hinterhergetragen, zur Not schreiben sie sogar ein
Redemanuskript (ich flipp aus, ich komme aus einer kreativen Familie, wir sprechen immer ohne Manuskript), ein traumhaft schöner Garten hinter dem Hotel ganz für uns alleine, Übernachtungsmöglichkeit integriert

Nachteil: sehr teuer (vermutlich), um 24 Uhr ist Schluss sonst gibt's Schwierigkeiten mit der Kurverwaltung, der Festsaal fasst höchstens 120 Leute und das reicht vielleicht nicht

3. Das angesagte Traditionsbrauhaus

Vorteil: Geschäftsführer wirkt sehr kompetent ("Schnaps gibt's nur eine Runde nach dem Essen, sonst werden Sie sich wundern, was Sie für eine versoffene Verwandtschaft haben"), ein traumhaft schöner Biergarten, ein Festsaal, der sicher groß genug ist, auch wenn alle kommen, Essen sehr gut, Service tadellos, Best Beer in Landkreis

Nachteil: nur ein Teil des Biergartens würde uns zur Verfügung stehen, d.h. nicht so viel Bewegungsfreiheit und der Keks, der ist da wie ein junger Hund, Übernachten in der Nähe schwierig

Vielleicht werde ich noch weitere Optionen einholen, aber die Entscheidung muss bald fallen.
Ich bin selber gespannt, wie ich mich entscheiden werde. Der Keks ist keine Hilfe. Er sagt, ich soll ihm dann halt sagen, wann er wo sein soll.

Montag, Januar 29

Wedding Planning II

Am Samstag haben wir den Pastor gesprochen. Schlechten Eindruck machte dabei, dass ich mein Taufdatum und der Keks seinen Konfirmations-Spruch nicht wusste. Der Keks musste Rede und Antwort stehen, warum seine erste Ehe gescheitert ist. Er hat irgendwas geplappert von wegen unterschiedlicher Werte, auseinander gelebt, hat sich alles anders entwickelt.

Ich persönlich fand das ja nicht so überzeugend und wollte mehrmals dazwischen rufen:

Und sie hat jede Woche fünf Mal Pasta Gorgonzola gekocht und der Keks, der konnte die nicht mehr sehen.
Und sie mochte keine Bücher, sie fand Lesen unkommunikativ.
Und im Bett lief's auch nicht mehr so.

Aber das hab ich mir verkniffen, weil ich hab mir schon gedacht, das kommt nicht so gut.
Der Pastor wollte zwar lieber konkrete Beispiele, hat sich aber letztendlich mit dem abstrakten Keks-Palaver zufrieden gegeben.
Und dann waren wir da auch schon wieder raus.

Wenn's nach dem Pastor geht, dann traut er uns wohl. Er hat uns auch schon mal die Kirche reserviert. Meine Mama "sieht den Blumenschmuck schon vor sich" und "der Chor von der M., der singt fei schee".
Ich hab gefragt, ob die wohl auch was von Katie Melua oder von Bonnie Tyler singen würden.
Aber: "Des is doch koa Kirchenlied! Naa, des glaub i ned."
Na gut. Sing ich halt selber. So still vor mich hin:
"Turnaround, Every now and then I get a
little bit nervous that the best of all the years have gone by..."

Wedding Planning I

Ich bin fix und fertig.

Das ganze Wochenende haben wir im beschaulichen Niederbayern verbracht, zur Hochzeitsplanung.

Wir fühlten uns teilweise wie live aus dem Komödienstadl, vor allem nachdem mein Papa ausführlich darüber philosophiert hatte, dass man im Dorf X nur etwas erreichen würde mit guten Kontakten zur Dorf-Mafia bestehend aus Bürgermeister, Wirt, Bauunternehmer und Raiffeisenbank-Chef.
Und der Pfarrer? Ja, der Pfarrer, der hält sich da lieber raus.

Danach setzte er Keks darüber in Kenntnis, dass er seine Ehefrau (mich!) nicht von der Steuer wird absetzen können, auch wenn sie (ich!) sehr viele Sonderausgaben erzeugen sollte (Kalauer!).

Meine Mama ging im Lauf der Gästeliste-Diskussion dazu über, in ihrem Karton (!) mit Sterbebildern zu verifizieren, ob Großtante Y und Ur-Oma Z vor 10, 15 oder 20 Jahren gestorben sind. Mit den Worten: Ich weiß, das ist jetzt nicht so passend, ... aber interessant! Und: Ich hab schon eine ganz schöne Sammlung beinander.

Donnerstag, Januar 18

Mysterien der Ehe

Hochzeiten sind anscheinend ein Trendthema. Im Januar finde ich das zwar einigermaßen erstaunlich, aber die Hinweise mehren sich.

Nessy braucht ein Kleid (nicht zu kurz und nicht zu weit), weil sie zu vier Hochzeiten eingeladen ist. Elle sucht einen flexiblen DJ für eine Hochzeit in Berlin.


Der Keks hat mir kürzlich mit Schrecken aus einem Artikel des Manager Magazins vorgelesen: "Bremst die Ehe die Karriere? Mit dem Stress im Beruf wächst auch das Scheidungsrisiko." Ich habe selbstverständlich gelobt, immer eine vorbildliche Ehefrau zu sein und seine Karriere nicht zu gefährden und auch potentielle Kinder davon abzuhalten, selbiges zu tun.



Nun auch noch Nikolas Westerhoff in der Süddeutschen Zeitung mit den Mysterien der Ehe. Hier die Zusammenfassung.

Risikofaktoren für eine Ehe sind:
aufgedeckter Seitensprung, volle Berufstätigkeit der Frau, höhere Bildung der Frau, Leben in einer Millionenstadt, Konfessionslosigkeit, Alter jünger als 21 Jahre, dysfunktionaler Kommunikationsstil (z.B. einer redet viel, einer wenig), Abstammung aus Scheidungsfamilien, Neurosen (Unsicherheit, Nervosität, emotionale Labilität), Ehevertrag

Protektive Faktoren für eine Ehe sind:
gemeinsames Wohneigentum, gemeinsames Kind, Zusammenwohnen bereits vor der Ehe (mind. halbes Jahr), Alter älter als 21 Jahre, ausgewogenes Verhältnis von Lob und Kritik (5:1, besonders vom Mann), Glaube, dass Partnerschaft hält, Umgang mit Alltagsstress, Ähnlichkeit des Paares, Glaube an gemeinsame Werte, viele Gäste bei der Hochzeitsfeier

Keks und ich erfüllen vier Risikofaktoren und acht protektive Faktoren (das Verhältnis von Lob und Kritik wird von mir streng überwacht!). Wir werden dann ja sehen, wo uns das hinführt.

Mittwoch, Dezember 27

Christmas Time

Nun haben wir es wieder hinter uns. Eigentlich hatte ich beabsichtigt, heute zu posten, Weihnachten 2006 wäre ein sehr unaufgeregtes Weihnachten gewesen. Aber es kam anders.

Es ist sehr komisch, am 23.12. die schönste Stadt und den besten Keks der Welt zu verlassen, um Weihnachten in der niederbayerischen Provinz zu verbringen, wo sich früher mal mein Leben abgespielt hat. Aber es musste sein. Prompt bekam ich in der ersten Nacht in meinem alten Zimmer, das mittlerweile zum Büro-, Fitness-, Fernseh-, Abstell- und Chill-Out-Areal meiner Eltern geworden ist, eine üble Migräne-Attacke, die nur durch Plündern des mütterlichen Apothekenschränkchens zu stoppen war. In der zweiten Nacht hab ich mich in den Schlaf geheult. In der dritten Nacht musste ich auf Klo, wo aus unergründlichen Quellen Wasser ausgelaufen war, was dazu führte, dass ich nasse, kalte Füße bekam und zwei Stunden lang nicht mehr einschlafen konnte.

Außer den üblichen Verwandtschaftsbesuchen und Magenschmerzen gab es zwei Ereignisse, die dieses Weihnachten zu einem unvergesslichen Weihnachten gemacht haben.
In den letzten Wochen hatten Keks und ich immer schöner und bunter vom luxuriösen Leben in unserer eigenen Wohnung in Uhlenhorst geträumt. Wie wir im Garten Erdbeeren pflanzen können und Sommerabende mit einem Glas Rotwein auf unserer Terrasse genießen und Partys feiern und so. Dafür hätten wir uns sogar auf Haaresbreite an die Insolvenz heran verschuldet. Ich hab im Geiste schon die Küche gefliest, da kam der Todesstoß für unseren Traum. Ein einzelner Mensch stellte eine einzelne einfache Frage, die wir aus irgendwelchen Gründen bisher völlig übersehen hatten. Wir stellen diese Frage eigentlich immer als erstes, diesmal aber nicht.
"In welche Himmelsrichtung liegt eigentlich die Terrasse?" Antwort: Norden. Tiefster Norden.
Projekt Uhlenhorst ist damit erstmal beendet.

Meine Eltern in freudiger Erwartung des freudigen Hochzeitsereignisses im nächsten Jahr hatten eine Menge Vorschläge auf Lager, wie, wann und wo das Fest zu begehen sei. Um mich über den tragischen Verlust des Wohnungstraums hinwegzutrösten, versuchte ich mich am Hochzeitstraum und unternahm gemeinsam mit meinen Eltern einen Location Check in Kirchen und Hotels. Abends muss ich wohl etwas zu enthusiastisch von unseren Nachforschungen berichtet haben, denn Keks reagierte unwillig.
"Im Juli hab ich keine Zeit."
"Ich weiß ja noch gar nicht, ob ich überhaupt jemanden einladen will."
"Vielleicht haben wir ja gar kein Geld."
"Es ist ja noch so lange hin, da mach ich mir noch keine Gedanken."
All dies ergab in der Summe ein äußerst gereiztes Telefonat und die übliche emotionale Überreaktion einer Frau, die gerade erfahren hat, dass der Garten ihrer Traumwohnung nach Norden liegt.
"Er will gar nicht heiraten."
"Ich bin ihm völlig gleichgültig."
"Er liebt mich nicht mehr."
"Er hat mich noch nie geliebt."

Zwei Tage, 27 Telefonate und eine große Versöhnung später ist die Welt wieder in Ordnung und ich kann mich eigentlich kaum noch daran erinnern, wie es dazu kommen konnte.

Zurück in Hamburg dann die Bescherung: Unter unserem Weihnachtsbaum lagen ein Gutschein für einen Segelkurs auf der Außenalster (für Phoebe) und ein Füller von Mont Blanc (für Keks). Wir saßen auf unserem Rolf-Benz-Sofa, tranken eine teure Flasche Rotwein und waren sehr froh, dass das mit der Wohnung nicht geklappt hatte, so dass wir weiter unser Geld für unsinnige Dinge ausgeben können.

Montag, Dezember 18

Post-Wochenends-Erschöpfungssyndrom

Also, das hätten wir. S. und F. sind in den Aggregatzustand "glückliches Ehepaar" übergegangen und ich und mein Kleid haben den Abend würdevoll überstanden. Leider war ich so todmüde (wegen jeden Abend der letzten Woche zu lange aufbleiben und Wein trinken und Stromberg kucken), dass ich zu Konversation nicht fähig war. Keks hat mich aber heldenhaft durch den Abend manövriert.

Am vorletzten Samstag vor Weihnachten sind wir allen Ernstes in die Europa-Passage gereist, um dort ein Geschenk für uns auszusuchen, dass unsere Eltern uns schenken werden. Trotz einiger übermotivierter Verkäuferinnen hat sich das Geschenk schließlich zu erkennen gegeben. Danach ging's mir gar nicht gut, ich wollte nur noch auf mein Sofa, mit Keks und Buch.

Am Sonntag haben wir uns eine Wohnung in Uhlenhorst angesehen, die viel zu groß und viel zu teuer für uns ist und die wir uns aber trotzdem kaufen werden, weil wir sonst auch nicht wissen, wohin mit unserem Geld.

Sonntag, Dezember 10

Junggesellinnen

Gestern abend war Junggesellinnenabschied für S., die jetzt noch eine Woche Galgenfrist hat. Wir waren fünf Mädels und das sind die Themen des Abends:

Was macht man, wenn die Schwiegermutter in spe sich dieselbe Bluse für die standesamtliche Trauung gekauft hat wie die Braut?
Was macht man, wenn der Bräutigam sich für die Trauung das Lied "Hamburg, meine Perle" wünscht?
Was macht man, wenn das Dekollté des Abendkleides wegen akuter Gewichtszunahme jetzt einfach zu kriminell aussieht?
Wird S. in einem Jahr kugelrund schwanger sein?
Darf Kollegin M. wieder von der Hochzeit ausgeladen werden, weil sie sich nachweislich an Bräutigam F. rangemacht hat?

Aber der Rotwein war gut!

Montag, Dezember 4

Hochzeiten und andere große Pläne

An einem beschaulichen Sonntag, an dem pflichtbewusst die Programmpunkte Plätzchen backen und Weihnachtsdeko abgearbeitet wurden, begab es sich, dass Keks und Phoebe ihre gute Freundin S. zum Alsterspaziergang trafen, um deren Pläne für die in zwei Wochen stattfinde Hochzeit mit Freund F. zu besprechen.
Großes Staunen unsererseits. Nach der standesamtlichen Trauung (vormittags) und dem familiären Festmahl (mittags) wird die eigens aus Spanien angereiste Verwandtschaft zur Siesta verdonnert und danach zum Portugiesen zum Abendessen geschickt, wo S. und F. wegen mangelnder Sprachkenntnisse der Verwandschaft noch bei der Bestellung helfen, dann aber auf die Schanze zur lockeren Party mit Freunden wechseln! Die Verwandtschaft kann sich dann ja einen schönen Abend machen. Alles klar.

Damit nichts zu tun hat Else Kling bei uns aus dem Haus. Allerdings hat besagte Else Kling in unserer Post einen Brautkleider-Katalog gesichtet und daraus messerscharf (und korrekt!) geschlossen, dass bei uns wohl eine Hochzeit ins Haus steht. Nun ja, dieser gossip wird wohl nicht mehr zu stoppen sein. Ich erwarte freudig die Hochzeitsgeschenke unserer Nachbarn.

Auf den Sonntag folgt erfahrungsgemäß der Montag, so auch diese Woche. Und die Woche beginnt ausnahmsweise mit einer guten Nachricht: Meine Idee soll am Wettbewerb 2007 teilnehmen! Und falls wir es in die shortlist schaffen, komme ich auf die Autorenliste! YIPPIE! Wie cool ist das, bitte?